3 Fragen an: Simon Hochstein

Unser Kollege im Interview

Rechtsanwalt und Junior Legal Counsel bei der Omni Bridgeway AG
Kartellrecht

Lieber Herr Hochstein, zunächst eine persönliche Frage zum Einstieg: Wann und warum wurde Ihnen klar, dass Sie Ihre berufliche Zukunft im Kartellrecht sehen?

Mein Interesse für das Kartellrecht beruht, wie bei so vielen, im Ausgangspunkt auf einem Zufall. Im Rahmen meines Studiums an der Bucerius Law School in Hamburg waren verschiedene Praktika vorgesehen. Natürlich wollte man diese nutzen, um sich verschiedene Rechtsbereiche anzuschauen. Daneben waren die Praktika aber auch eine gute Möglichkeit für einen Auslandsaufenthalt. Glücklicherweise konnte ich diese beiden Punkte während meiner praktischen Studienzeit in der Kanzlei Shearman & Sterling in Brüssel verbinden. Inhaltlich hat mir besonders gefallen, dass man sich intensiv mit dem operativen Geschäft der Mandanten auseinandersetzen kann. Während es in einigen Rechtsbereichen eine eher untergeordnete Rolle spielt, ob man aktuell für ein Pharmaunternehmen oder ein Finanzinstitut tätig ist, spielt dies für die kartellrechtliche Beurteilung eine außerordentlich wichtige Rolle. Darüber hinaus fand ich es spannend, aufgrund der europarechtlichen Grundlagen auch mit den nicht-deutschen Kollegen im Büro inhaltlich zusammenarbeiten und trotz fehlender Kenntnisse im spanischen oder griechischen Recht unterstützen zu können. In der Folgezeit konnte ich dann im Rahmen von kartellrechtlichen Vorlesungen an der Universität sowie als Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Referendar in einer Wirtschaftskanzlei und im Bundeskartellamt weitere Expertise und Erfahrungen im Kartellrecht sammeln. Auch wenn mich nach wie vor in gleicher Weise andere Rechtsbereiche interessieren, so war spätestens nach dem Referendariat für mich klar, dass ich gerne im Kartellrecht arbeiten möchte.

Daneben sind Sie auch im Bereich Port­folio­finan­zie­run­gen tätig. Was steckt genau hinter diesem Begriff und wie passt diese Tätigkeit mit dem Kartellrecht zusammen?

Mit Portfoliofinanzierungen ist die Finanzierung einer Vielzahl von Klagen gemeint, deren Einzelfälle auf einem ähnlichen Sachverhalt beruhen und somit die gleichen Rechtsfragen betreffen. Im Rahmen solcher Portfoliofinanzierungen können diverse Synergieeffekte für die Mandanten und für uns als Prozessfinanzierer erzielt werden. Diese beschränken sich keinesfalls alleine auf die Kostenreduzierung, bspw. für Rechtsanwälte und ökonomische Gutachter. Vielmehr haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Mandanten auch inhaltlich hiervon profitieren können und letztlich eine Stärkung der Klagen erzielt werden kann. Dabei kommen Portfoliofinanzierungen nicht allein bei subjektiven Klagehäufungen oder der Nutzung eines sog. Special Purpose Vehicle (SPV) in Betracht. Die positiven Effekte können auch bei der Finanzierung von mehreren Einzelklagen erzielt werden.

Portfoliofinanzierungen sind ein Werkzeug, welches wir gerade im Rahmen von kartellrechtlichen Schadensersatzklagen häufig nutzen. Aufgrund der hohen Kosten, der langwierigen Prozesse und der häufig ähnlichen Sachverhalte bietet sich die Bildung von Portfolios gerade in diesem Rechtsbereich an. Über das Kartellrecht hinaus erarbeiten und betreuen wir Portfoliofinanzierungen aber in ganz verschiedenen Bereichen. Beispielsweise haben wir im Zuge der Corona-Pandemie ein Portfolio im Bereich Betriebsschließungsversicherungen aufgelegt. Viele Einzelhändler, Restaurants, Kneipen etc. haben in der Vergangenheit solche Versicherungen in dem Vertrauen abgeschlossen, dass sie auch im Falle einer solchen Pandemie mit finanzieller Hilfe der Versicherung rechnen können. Allerdings weigern sich aktuell die Versicherer, die vereinbarten Summen auszuzahlen. Wir unterstützen die zumeist kleinen Unternehmen dabei, ihre Ansprüche geltend zu machen und einen Prozess auf Augenhöhe zu führen.

Welchen Einfluss auf Ihre Tätigkeitsbereiche erwarten Sie von der Fusion von Omni Bridgeway und IMF Bentham im letzten Jahr?

Das Kartellrecht ist sehr stark durch das Europarecht und die Entscheidungen der europäischen Institutionen beeinflusst. Die Internationalität ist dem Kartellrecht daher immanent. Vor diesem Hintergrund gehe ich fest davon aus, dass wir von unserer internationalen Präsenz in diversen Jurisdiktionen gerade im Kartellrecht äußerst stark profitieren werden. Bereits vor der Fusion waren wir in enger Abstimmung mit unseren niederländischen Kolleginnen und Kollegen, die ebenfalls stark im Kartellrecht engagiert sind. Durch die Fusion werden wir diese Zusammenarbeit ausbauen und auf die neuen Kolleginnen und Kollegen erweitern. Ich freue mich darauf, aus erster Hand zu erfahren, wie sich das kartellrechtliche Schadensersatzrecht auch außerhalb von Europa entwickelt.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass das kartellrechtliche Schadensersatzrecht ein vergleichsweise junges Rechtsgebiet ist, welches sich meines Erachtens in den kommenden Jahren und Jahrzehnten noch stark entwickeln wird. Dies betrifft u. a. auch grundlegende prozessuale Fragen: Wie geht es beispielsweise mit der kollektiven Rechtsdurchsetzung im kartell­recht­lichen Schadensersatzrecht und insbesondere der Nutzung von SPV weiter? Und unmittelbar daran anknüpfend: Schafft es der deutsche Rechtsstandort (ggf. auch ohne ein rechtssicheres SPV-Modell) zukünftig für kartell­­­recht­liche Schadensersatzklagen attraktiv zu bleiben? Ich bin gespannt, was die Zukunft diesbezüglich bringt. Gerade durch die Fusion mit IMF Bentham zu Omni Bridgeway Ltd. sind wir meines Erachtens aber auf alle zukünftigen Entwicklungen sehr gut vorbereitet.

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